Interessanter Einblick in die Welt einer Hobbyhure, stand in der grössten
deutschen Zeitung BILD
Das geheime Doppelleben von Melanie (34): Mutter, Kauffrau, Hobby-Hure - Bild.de
Melanie (34) aus Hamburg ist zweifache Mutter, verheiratet, hat einen Vollzeitjob – und Sex gegen Geld! Nur ihr Ehemann weiß von dem geheimen Doppelleben, er fährt sie sogar selbst zu den Treffen. Dem „Hamburger Abendblatt“ erzählte Hobby-Hure Melanie ihre Geschichte.
Der schönen Brünetten geht es nicht ums Geld, wenn sie mit ihren Kunden schläft. Sie will ihre eigenen sexuellen Bedürfnisse befriedigen, Spaß haben – ein Mann ist ihr nicht genug. Das weiß sie schon lange.
Mit 20 lernt Melanie ihren Mann kennen. Sie heiraten, bekommen ein Kind. Doch bald reicht ihr der Sex zu Hause nicht mehr. Das Paar besucht Swingerclubs, schläft mit anderen.
So kommt Melanie auf den Nebenjob als Prostituierte: „Ich hatte den Typen im Swingerclub kennengelernt, war mit meinem Mann bei ihm zu Hause auf einer Sexparty.“ Als der Mann ihr nach dem Sex Geld zusteckt, schämt sie sich erst. Melanie: „Dann habe ich aber gedacht, was für ein netter Nebenverdienst das sei.“ Sie nimmt das Geld. Das ist zehn Jahre her.
Seitdem bietet Melanie unter dem Namen „Melanie-Escort“ erotischen Begleit-Service an. 100 Euro kostet eine Stunde, für junge Azubis zwischen 18 und 21 Jahren gibt's Rabatt: 50 Euro pro Stunde.
„Ich mach nur, worauf ich Lust hab“, sagt Melanie. Dazu gehören Haus- und Hotelbesuche, Sadomaso-Spielchen, Gruppensex mit Kunden.
Wichtigste Regel: Kein Sex ohne Gummi! Aus Angst um ihre Gesundheit.
Bilder von ihrem Gesicht gibt es auf der Internetseite nicht, auch nicht auf Anfrage – um ihre Familie zu schützen. Eltern, Freunde, Kollegen, niemand soll von ihrem Doppelleben als Hobby-Hure wissen. Nur ihr Ehemann Thomas.
Dass seine Ehefrau mit anderen ins Bett geht, akzeptiert er. Manchmal schaut er auch zu, gibt den Männern sogar Tipps. „Er weiß, das es nur um Lust geht – nicht um Liebe wie in unserer Ehe“, sagt Melanie.
Tochter Lily (13) und Sohn Max (10) ahnen nicht, dass ihre Mutter mit Fremden schläft und Geld dafür nimmt. Sie wissen nur: Wenn Mama abends am Handy telefoniert oder E-Mails schreibt, dürfen sie nicht stören.
„Ich muss noch arbeiten“, sagt Melanie ihnen dann. Wenn sie sich mit ihren Kunden trifft, erfindet sie eine Verabredung mit einer Freundin.
Oft fährt Thomas seine Frau zu den Sex-Treffen. Er wartet dann auf sie – manchmal zwei oder drei Stunden. Wenn sie zurück kommt, fragt er sie immer, wie es war. Gut, sagt sie dann meistens, und gibt ihm einen Kuss.
Morgens Mutter, mittags Kauffrau, abends Hure
Wenn ihr Handy klingelt, sind "Kunden" dran, um sich mit ihr zum Sex zu verabreden. Ihr Mann fährt die 34-Jährige oft selbst zu den Treffen. Er akzeptiert: Sie macht es aus Spaß.
Von Miriam Opresnik
Abends, wenn sie mit den Kindern Hausaufgaben gemacht hat und die beiden im Bett sind, schaltet Melanie (34) das Handy an und wartet auf Anrufer. Sie muss noch arbeiten, sagt sie den Kindern dann. Arbeiten und Geld verdienen. Das verstehen Lily (13) und Max (10, Namen geändert). Sie wissen, dass sie ihre Mutter nicht stören dürfen, wenn sie mit ihrem Diensthandy telefoniert oder am Computer sitzt und E-Mails schreibt. Manchmal geht Melanie abends noch weg. Um sich mit einer Freundin zu treffen, sagt sie den Kindern. Oft fährt Melanies Mann Thomas sie zu der Verabredung und wartet auf sie. Eine Stunde dauert es meistens. Manchmal auch zwei, drei. Danach fragt er sie immer, wie das Treffen gewesen sei. Gut, sagt sie meistens und küsst ihn. Dann macht sie das Handy aus.
Morgens, wenn sie den Kindern Brote geschmiert und sie zur Schule gebracht hat, fährt Melanie ins Büro. Sie arbeitet in der Marketingabteilung eines großen Unternehmens. Montag bis Freitag, 8.30 bis 17 Uhr. Das Handy bleibt in der Zeit aus. Bei dieser Arbeit braucht sie es nicht. Erst abends, wenn sie sich von ihrem Kollegen verabschiedet hat und zu Hause ist, macht sie es wieder an. Dann legt Melanie ihre bürgerliche Identität ab wie die Kleider bei einem Kunden. Dann wird aus der Bürokauffrau und Mutter eine Hure.
Melanie selbst nennt sich Hobbyhure. Um zu zeigen, dass es ihr nicht um das Geld geht, sondern um Spaß. Um ihre sexuellen Bedürfnisse. Ein Mann alleine, sagt sie, sei ihr einfach zu wenig. "Früher bin ich mit meinem Mann in den Swingerklub gegangen, wenn ich mit einem anderen schlafen wollte - und habe dafür auch noch Eintritt bezahlt. Heute bekomme ich Geld dafür, dass ich meine Lust auslebe", sagt Melanie. Aus ihren sexuellen Bedürfnissen ist ein lukrativer Nebenjob geworden. Nebenjob. Arbeit. Sexarbeit.
Abends, wenn die Familie gemeinsam gegessen hat und die Kinder schlafen, wird Melanie zur Weltenwandlerin. Dann verlässt sie ihr Leben in Hoheluft-Ost und taucht in die Welt der sexuellen Dienstleistungen ein. Es ist eine Welt voller Klischees und Mythen, Vorurteile und Stigmatisierungen. Es ist "Eine Welt für sich". So hat die Hamburgerin Elisabeth von Dücker (62) ihr Buch über Sexarbeit genannt, das jetzt erschienen ist. Es ist ein kritischer Blick hinter die Kulissen des Sexgewerbes, eine Sammlung von Berichten aus erster Hand: von Bordellbetreibern, Zuhältern, Huren und Kunden. Sie erzählen von ihren Erfahrungen mit Sexarbeit - ohne Opferlarmoyanz und Voyeurismus. "Ziel des Buches ist es, einen Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt des Sexbusiness zu geben", sagt Elisabeth von Dücker. Die Kunst- und Kulturhistorikerin war Kuratorin der Ausstellung "Sexarbeit. Prostitution - Alltagswelten und Mythen" im Museum der Arbeit und setzt sich seit Jahren für die Enttabuisierung und Entkriminalisierung von freiwillig erbrachter Sexarbeit ein. Das Buch soll die Männer und Frauen hinter den Stereotypen zeigen. Es sind Frauen wie Sylvia, die seit 30 Jahren auf dem Straßenstrich arbeitet und mit dem Geld vom Anschaffen den drogensüchtigen Ehemann und ihren Sohn ernährt. Madame Christine, die mit 33 Jahren ihre akademische Berufslaufbahn beendete und Domina wurde. Ayscha, die aus finanzieller Not in einem türkischen Sexklub arbeiten muss - obwohl sie sich als Muslimin nicht vor fremden Männern enthüllen darf. Rebecca, die auf der Herbertstraße arbeitete und zu den Großverdienerinnen im Sexgewerbe zählte. Laura, die von der Prostituierten zur Initiatorin eines lesbischen Callgirl-Rings wurde und heute promovierte Literaturwissenschaftlerin ist. Und es sind Frauen wie Melanie, die tagsüber ein bürgerliches Leben führen und erst abends zur Hure werden. Abends und am Wochenende. Dann ist ihr Handy den ganzen Tag eingeschaltet. Dann rufen die meisten Kunden an.
Kunden nennt Melanie die Männer, die sie für Sex bezahlen. Kunden oder Gäste. Weil sie wie in der freien Marktwirtschaft mit den Männern ein Dienstleistungsverhältnis eingeht, gleichzeitig aber das Recht hat, Nein zu sagen. "Ich mache nur das, worauf ich Lust habe", sagt sie stolz. Ihre Regeln sind streng. Vor jedem Treffen gibt es eine Kontaktaufnahme per Telefon oder E-Mail, in der die Vorlieben des Kunden mit ihren abgeglichen werden. Ihr oberstes Gebot: kein Sex ohne Gummi! Wer da nicht mitzieht, hat bei ihr keine Chance. "Meine Gesundheit ist mir wichtiger als alles andere", sagt Melanie. Sie sitzt in einem Café, trinkt Latte macchiato und erzählt von ihrem Leben. Von ihrem Doppelleben. Von Kindergeburtstagen, Elternabenden und Sonntagsausflügen mit der Familie - und von SM, Swingerklubs und Gruppensex mit den Kunden. Ihr Mann ist das einzige Verbindungselement zwischen ihren beiden Leben, zwischen den beiden Welten. Er weiß Bescheid. Sonst niemand. Nicht die Kinder, nicht die Kollegen oder ihre Eltern. Weil sie es nicht verstehen könnten. Weil die Vorurteile zu groß sind. "Wenn es nur um mich ginge, würde ich offen damit umgehen. Aber wie würde man meine Kinder behandeln, wenn bekannt werden würde, dass ihre Mutter eine Hure ist", sagt Melanie. Deswegen trennt sie ihre beiden Leben so sorgfältig wie den Müll in ihre Altbauwohnung in Hoheluft-Ost.
Seit zehn Jahren führt Melanie ein Doppelleben und bietet unter dem Namen "Melanie-Escort" einen erotischen Begleitservice an. Seit sie das erste Mal nach dem Sex Geld bekommen hat. "Ich hatte den Typen im Swingerklub kennengelernt und war mit meinem Mann bei ihm zu Hause auf einer Sexparty. Als er mir am Ende des Abends Geld zugesteckt hat, war ich richtig pikiert und habe mich geschämt, dass die Gäste mich offenbar für eine Hure halten. Dann habe ich aber gedacht, was das für ein netter Nebenverdienst sei - und das Geld angenommen." Danach sei alles ganz schnell gegangen. Immer öfter wollen sich Männer aus dem Swingerklub auch privat mit ihr treffen, immer öfter fährt ihr Mann Thomas sie zu den Verabredungen. Er hat kein Problem damit, dass Melanie mit anderen schläft. "Er weiß, dass es nur um Lust geht - nicht um Liebe wie in unserer Ehe", sagt Melanie.
Mit 20 haben sich die beiden kennengelernt: Sie, eine angehende Bürokauffrau aus gutem Haus, die wohlbehütet in einer kleinen Gemeinde im Hamburger Umland aufgewachsen ist - und er, ein offener Typ aus der Großstadt, der in der Werbebranche arbeitet. Kurz danach zieht Melanie zu Thomas nach Hamburg. Sie heiratet ihn und bekommt ihr erstes Kind. Doch irgendetwas fehlt ihr. Irgendwie reicht ihr der Sex zu Hause nicht, irgendwann fangen sie an herumzuexperimentieren. Sie gehen in Swingerklubs, schlafen mit anderen - und sind doch zusammen. Manchmal, wenn Melanie Geschlechtsverkehr mit einem anderen hat, guckt Thomas zu oder gibt dem anderen Tipps. Dann wird er vom Zuschauer zum Regisseur.
Melanie weiß, dass andere das nicht verstehen können. Nicht verstehen können, dass sie kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes mit der Prostitution angefangen hat, Kontaktanzeigen aufgibt statt zur Krabbelgruppe zu gehen. Dass sie immer öfter als Hure arbeitet und sogar eine eigene Homepage einrichtet, gleichzeitig aber zum zweiten Mal Mutter wird. Sie weiß, dass andere das nicht verstehen können. Verstehen, dass sie das einfach braucht. Das Gefühl, gefragt zu sein.
Nur aus finanziellen Gründen würde Melanie den Job nicht machen, sagt sie. Dafür sei der Verdienst zu gering. 100 Euro bekommt sie pro Stunde, ab fünf Stunden 80 Euro. "Youngster" zwischen 18 und 21 Jahren, die noch in der Ausbildung sind und nicht viel Geld haben, zahlen sogar nur 50 Euro. Das meiste davon kommt aufs Sparbuch. Für einen Sonderwunsch. Und für die Kinder. Den Rest bekommt das Finanzamt. Melanie hat den Nebenverdienst angemeldet und zahlt Steuern. Wie viel sie jährlich verdient, sagt sie nicht. Das sei wie beim Sex. Eine Dame genießt und schweigt.
Wie lange sie den Job noch macht, weiß Melanie nicht. Schon jetzt wird es immer schwieriger, ihre beiden Leben miteinander zu vereinbaren. "Früher, als die Kinder klein waren, konnte ich telefonieren und E-Mails schreiben, ohne dass sie was verstanden haben. Heute geht das nicht mehr", sagt Melanie. Heute sind die Kinder zu groß. Sie gehen inzwischen beide aufs Gymnasium und fragen immer öfter, warum ihre Mutter abends oft noch arbeiten muss und mit welcher Freundin sie sich ständig trifft. "Das klappt nur, weil ich ein Organisationstalent bin", sagt Melanie. Sie koordiniert Termine und Alibis, macht Haus- und Hotelbesuche und veranstaltet Gang-Bangs, bei denen eine Frau Sex mit mehreren Männern hat. Manchmal ist sie die einzige Frau, manchmal sind sie zu fünft.
Es ist eine Welt für sich. Es ist Melanies Welt. Solange die Kinder nichts merken, will sie weitermachen. Wenn sie sich aber mal entscheiden muss, wird sie die Familie wählen. "Die ist das Wichtigste in meinem Leben", sagte Melanie und steht auf. Das Gespräch ist zu Ende, sie will nach Hause. Eine Radtour mit den Kindern machen. Das Handy schaltet sie in dieser Zeit aus.
Szenische Lesungen des Buches gibt es am 13. Februar um 18 Uhr im Ver.di- Center (Besenbinderhof 56) und am 18. Februar um 18 Uhr im Schulmuseum (Seilerstraße 42). Eintritt: 2 bis 5 Euro.