der zweite Teil der Geschichte
Neu-Ulmer Bordell-Chefin wehrt sich gegen Vorwürfe | Südwest Presse Online
Neu-Ulm. Der in einem Neu-Ulmer Bordell aufgefundene Tote wird nicht obduziert. Die Polizei ist sicher: Der 36-Jährige starb durch einen autoerotischen Unfall. Derweil hat sich die Bordellchefin zu Wort gemeldet.
Zwei Tage nach dem Todesfall im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ hat sich die Chefin des Hauses, Angie Diemer, zu Wort gemeldet. Sie verwehrt sich gegen den von einer Prostituierten des Etablissements in der SÜDWEST PRESSE erhobenen Vorwurf, herzlos zu sein. Der Tod des 36-Jährigen, der sich bei einem bizarren Sex-Spiel selbst stranguliert hatte, habe sie schwer getroffen. „Wir sind alle traurig“, sagt Diemer über sich und ihre Kolleginnen; zumal sie persönlich ein freundschaftliches Verhältnis zu dem Verstorbenen gehabt habe. Im zweiten Stock des Bordells, wo die Leiche am Montag entdeckt worden war, brennt seither eine Kerze zum Andenken.
Der Mann sei zu keinem Zeitpunkt im Haus angestellt oder zahlender Kunde gewesen, sagt Diemer. Er habe seit zwei Jahren bei technischen Problemen geholfen – Computer betreut, Kabel verlegt etc. – und im Gegenzug kostenlos seinen masochistischen Neigungen frönen dürfen. So hätten an sado-masochistischen Techniken interessierte Prostituierte, die neu im Gewerbe waren, an ihm bestimmte Dinge ausprobieren dürfen. Oft sei er aber auch einfach nur so vorbeigekommen und bisweilen zum Übernachten geblieben. Das Bordell Lili M. ist nachts geschlossen.
„Dass er auch auf autoerotische Spiele wie Atemreduzierung durch Selbststrangulation stand, habe ich nicht gewusst“, sagt Diemer. Es sei aber bekannt, dass Menschen mit derartigen Zwängen auf der Suche nach immer neuen und stärkeren Kicks seien. „Die müssen das immer weiter steigern.“
Auch die Kripo in Neu-Ulm sieht keinen Hinweis darauf, dass mehrere Personen an dem lebensgefährlichen Sexspiel beteiligt waren, sagt deren Sprecher Ulrich Feistle. Da alles auf einen selbstverursachten Unfall hindeute, werde der Tote nicht obduziert. Autoerotische Spiele mit tödlichem Ausgang seien nicht selten. Im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben/Südwest hätten sich in den vergangenen Monaten drei solcher Todesfälle ereignet.